Blutzeuge (Martyrer) für Christus
aus St. Johann, Osnabrück
Bruder Mutwald William (Wilhelm) Hengelbrock
Geboren:
10. November 1907 in Osnabrück
Getauft: 14. November 1907 in
St. Johann, Osnabrück
Gestorben: 12. Februar 1945 in Manila, Philippinen
Gedenktag: 12. Februar
Bruder Mutwald William (Wilhelm)
Hengelbrock
wurde am 10. November
1907 in Osnabrück als Sohn des Bildhauers Fritz Hengelbrock und der Schneiderin
Auguste, geb. Nosthoff, in der Spichernstr. 18 geboren. Getauft wurde er am 14.
November 1907 in der St. Johann-Kirche. Der Vater arbeitete in der Werkstatt von
Lukas Memken in der Holtstraße, Ecke Pfaffenstraße, wo überwiegend
christliche Bildwerke in Stein und Holz entstanden. Die Auftraggeber waren
Kirchengemeinden (z.B. Oesede: Kanzel; St. Johann in Osnabrück: Triumphkreuz,
Pieta, Kanzelüberarbeitung, Seitenaltäre; St. Joseph in Osnabrück:
Spruchfries, Evangelistensymbole) und Privatpersonen.
Willy kam als
begabter Schüler auf die katholische Knabenbürgerschule, die er neun Jahre
besuchte. 1914 erfolgte ein Umzug in die Rudolfstraße.
1922 begann Willy
eine kaufmännische Lehre in der Großhandlung Schüttenberg. Dort muß es zu
einem unrechten Griff in die Portokasse gekommen sein. Weil der Vater schon
gestorben war, musste Willy von seinem Onkel Heinrich in eine Besserungsanstalt
in die Nähe von Münster gebracht werden, wo er zwei Jahre blieb. In ihm reifte
die Entscheidung zum Ordensstand. Die Ideen des Gründers der Schulbrüder
Lassalle begeisterten ihn. So bat er mit 23 Jahren um Aufnahme ins Noviziat der
Schulbrüder in Bad Honnef am Rhein.
Mit Eifer oblag er den religiösen Verpflichtungen des Noviziats. Sein
Ordensname war Bruder Mutwald William. Da er als Missionar tätig sein wollte,
kam er nach dem Noviziat ins Scholastikat nach Maria-Tann in Kirnach-Villingen
im Schwarzwald, wo er sich besonders Englisch aneignete. Am Ende seiner
Vorbereitungszeit besuchte er im Mai 1935 die Verwandten in Osnabrück, um sich
zu verabschieden. Sein Missionsauftrag stand fest: Er wurde in den Fernen Osten
gesandt, auf die Philippinen, um sich zunächst im englischen Lehrerseminar
auszubilden. Nach erfolgreichem Abschlußexamen konnte er endlich seinem
Herzenswunsch nachgehen und in der englischen Kolonie Malakka mit großem Eifer
und Einfühlungsvermögen die einheimischen Kinder unterrichten.
Bei Kriegsausbruch
traf auch Br. Mutwald William die Ausweisung aus diesem Gebiet. Er suchte
Zuflucht im De La Salle-Kolleg in Manila, das alle von der Ausweisung
betroffenen deutschen Brüder gerne aufnahm. Arbeit gab es hinreichend in der
weit über tausend Schüler zählenden Schule. Er war freundlich und
wohlwollend, aber auch fromm und regulär in seinen geistlichen Verpflichtungen.
Sein liebstes Unterrichtsfach war Religion. Seine Klassen zeichneten sich durch
Aktivität in religiösen Dingen aus. Viele seiner Schüler waren Mitglieder der
Marianischen Bruderschaft. Regelmäßige Beteiligung beim Gottesdienst und
Kommunionempfang waren selbstverständlich.
Er besaß auch große
handwerkliche Fähigkeiten. Seine Schüler lernten Buchbinden, Holzschnitzen,
Malen, Zeichnen und andere Fertigkeiten. Nach Hause berichtete er von den
Schwierigkeiten mit der Hitze. Besonders lobte er den Eifer der philippinischen
Jungen.
Während des Krieges
setzte er seine Verwaltungsfähigkeiten ein und unterstützte seinen
Ordensobern, Br. Xavier. Er meisterte für den Br. Direktor so manche peinliche
Situation und Fälle, die dessen Position nicht zugemutet werden konnten. Da er
die im Februar 1945 schwierige und äußerst gefährliche Kriegssituation anders
als sein Oberer beurteilte, ging er zum Erzbischof und fragte ihn, ob die Brüder
das Kolleg vorübergehend verlassen dürften, zumal ein japanischer Offizier den
Br. Direktor dazu aufgefordert hatte. Der Erzbischof erteilte die Erlaubnis,
nicht aber der Direktor. Auch der Nuntius Nuntius Guglielmo Plani, den man
gefragt hatte, riet, Br. Xavier zu gehorchen. Gegen seine eigene Überzeugung
beugte er sich den Anordnungen seines Obern und blieb. Und so fiel auch er dem
grausamen Massaker am Sonntag, dem 12.2.1945, zum Opfer. Es gab 28 Schulbrüder
im Kolleg, von denen 17 grausam umgebracht wurden. Laut Aussage von Br.
Antonius, dem einzigen deutschen Bruder, der das Massaker überlebte, wurde
Bruder Mutwald William von den japanischen Soldaten in der Kapelle mit dem
Bajonett erstochen.
Er kann ein Martyrer
des Gehorsams genannt werden. Er stand im 38. Lebensjahr, im 16. Jahr seines
Ordenslebens und im sechsten seiner ewigen Profeß.
Der Generalkonsul von
Manila stellte eine Urkunde aus, daß die Leiche Bruder Mutwald William in einem
Graben in der Nähe einer Grundschule gefunden wurde. Nach Erinnerung der
Familie ist er von Jesuiten auf dem Klosterfriedhof beerdigt worden.
Die Kirche hat ihn in "Das deutsche Martyrologium des 20.
Jahrhunderts" aufgenommen.
Quellen
Primär:
1. Auguste und Anni
Hengelbrock, mdl.
2. Pater Riemann
(SJ), mdl. gegen 1963
3. dtsch.
Generalkonsul von Manila, schrftl. Urkunde
4. Maria Rieke, geb. Nosthoff, mdl.
Sekundär:
1. Hermann
Rieke-Benninghaus, Papa predigt seinen Kindern, Dinklage 1998
2. Helmut Moll, Die
katholischen deutschen Martyrer des 20. Jahrhunderts, Paderborn 1999
3. Helmut Moll,
Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, Paderborn
1999, Bd. 2, S. 1152
Hermann
Rieke-Benninghaus, Dinklage am 15.1.05
zum Seitenanfang