Pfarrei St. Johann Osnabrück

Pfarrei St. Johann Osnabrück

Die Weihnachtskrippe von St. Johann

In der Pfarrkirche St. Johann wurde nach mündlicher Überlieferung bis zum Ende des zweiten Weltkrieges alljährlich eine Weihnachtskrippe aus Holz aufgestellt, die jedoch beim Bombenangriff am 2. Februar 1945 so stark beschädigt wurde, dass sie nicht mehr verwendet werden konnte. Auch wenn es über diese Krippe keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt, existierte sie wohl bereits vor 1886. Im Bistumsarchiv Osnabrück ist ein Brief vom 20. Dezember 1886 überliefert, in dem Vikar Heinrich Vorthermes aus Vörden den damaligen Bischof von Osnabrück, Dr. Bernhard Höting, bittet, "die gleiche Krippe anschaffen zu dürfen, wie sie in St. Johann vorhanden ist." Nach dem Krieg erhielt der gerade aus der Gefangenschaft heimgekehrte Bildhauer Walter Mellmann (1910-2001) von Dechant Nikolaus Fecker den Auftrag, eine neue Weihnachtskrippe zu schaffen.

Bereits 1947 konnte die Hauptgruppe mit Maria, Josef und dem Kind aufgestellt werden, ebenso ein Hirte und ein Schaf. Ochs und Esel, die Heiligen Drei Könige, zwei weitere Hirten und zwei Schafe kamen bis Weihnachten 1962 hinzu, 1990 schließlich noch eine Frau mit Kind sowie das Dromedar. Die Figuren sind zwischen 60 und 100 cm hoch, aus verleimten Lindenholz geschnitzt und gewachst. Bis 1985 wurde die Weihnachtskrippe in der Marienkapelle unter dem Westwerk aufgebaut, danach in der Vierung, nahe dem Altar.

Walter Mellmann greift bei der Gestaltung der Figuren der Hauptgruppe auf die Form der Blockkrippe zurück, die anderen Figuren führt er als Einzelfiguren aus. Der Krippenblock belegt die bildhauerische Fähigkeit Walter Mellmanns: Durch stilisierende Formelemente verleiht er den Figuren Ausdruck und Gestalt. Maria, Josef und das Kind bilden eine ausgewogene und harmonische Einheit. Das Kind liegt auf dem Stroh in der Krippe - die Arme weit ausgebreitet - und lächelt seiner Mutter mit offenen Augen entgegen. Lockige Haare umrahmen sein frohes Gesicht. Trotz aller Not liegt es geborgen in der Krippe. Maria kniet vor dem Kind und blickt es freudig an. Sie trägt einen weiten Mantel, der bis auf den Boden fällt. Arme und Hände sind über der Brust gekreuzt. Ihre Haltung, den Kopf mit einem Tuch bedeckt und leicht nach vorn gebeugt, ermuntert den Betrachter, sich mit ihr über die Geburt des Kindes zu freuen.

Josef - ein wenig nach rechts gerückt - trägt einen langen Kittel, der nur durch spärlich verlaufende Faltenlinien und den Rundkragen angedeutet ist. Ohne Kopfbedeckung, den Kopf leicht zur Seite geneigt und auf das Kind blickend, steht er schützend hinter seiner Familie. Die Arme weit ausgebreitet, hält er eine dicke Decke in seinen Händen und bewahrt so Mutter und Kind vor der Kälte.

Es gibt nur wenige Krippendarstellungen im Osnabrücker Land, bei denen ein Bildhauer so ausdrucksstark diese Schutzfunktion Josefs darstellt. Dem vom Osnabrücker Dombildhauer Jakob Holtmann ausgebildeten Künstler ist die Gestaltung und Vermittlung der Botschaft der Heiligen Nacht mit dieser Krippe eindrucksvoll gelungen.

(Text entnommen aus: Gerhard Lohmeier, Ein Kind gebor´n in Bethlehem, Kleiner Führer zu ausgewählten Weihnachtskrippen im Osnabrücker Land, S. 33-35)


                  Krippe in St. Johann, Weihnachten 2002